Maria Himmelfahrt – und schützenswerte Bräuche

Maria Himmelfahrt ist eines der Hochfeste der katholischen Kirche. Der Feiertag hat aber an Gewicht verloren, denn als exklusiv katholisches Fest ist es kein gesetzlicher, sondern lediglich ein kirchlicher Feiertag. Die meisten Menschen müssen daher arbeiten.

Die Herkunft des Feiertags

Der Ursprung des Feiertags liegt im vierten Jahrhundert. Das Fest geht auf ein Marienfest zurück, das unter Cyrill von Alexandrien erstmals gefeiert wurde. Der Glaube besagt, dass Maria im Anschluss an ihr irdisches Leben unversehrt in den Himmel aufgenommen wurde. Unter Papst Pius XII. wurde das sogar zum Dogma erhoben.

Maria Himmelfahrt – ein Feiertag der Bräuche

Maria Himmelfahrt ist der höchste und älteste Feiertag zu Ehren Mariens. Traditionell binden Frauen zu diesem Anlass Kräutersträuße.

Die Kräuterweihe ist kein ursprünglicher Brauch, sondern später entstanden. Grundlage des Brauchs ist eine Legende. Diese lobt den Duft der Grabtücher Marias. Der Geruch wird verglichen mit Balsam und Lilien. Je nach Region werden unterschiedliche Kräuter und teilweise auch Blumen in die Sträuße gebunden. Auch die Anzahl der verwendeten Kräuter variiert zwischen sieben und 77. Zu dem Brauch zählt es auch, die Sträuße nach der Weihe zu trocknen und dann hinter einem Kreuz zu befestigen. Für die Gläubigen ist das ein Symbol der Gottesliebe.

Warum Bräuche schützenswert sind

Gerade die Sudetendeutschen haben im Zuge ihrer Flucht viele Bräuche und Traditionen in ihre neue Heimat mitgebracht. Die Bräuche halten die Erinnerung an die Herkunft lebendig. Für die Nachkommen der Geflohenen sind die Bräuche eine Verbindung zu ihren Wurzeln. Oft tragen die Traditionen auch zur Identität der Leute bei.

Das zeigt, wie Bräuche Menschen miteinander verbinden. Durch das Kräuterbinden etwa treten Gemeindemitglieder miteinander in Kontakt und tauschen sich aus. Sie verbringen Zeit miteinander und geben das Wissen um die Traditionen an andere weiter. Die Auswahl der Kräuter, an welchen Orten man sie finden kann und wie man sie am besten bindet, damit sie gut trocknen, sind nur einige Beispiele für vermitteltes Wissen. Das kann innerhalb von Familien oder der Gemeinde passieren.
Bräuche sind immaterielles Kulturgut. Sie gehören zur Identität von Dörfern, Städten oder Völkern. Die UNESCO schützt derartiges Kulturgut, zum Beispiel das Sternsingen. Ähnlich wie Kunst oder Gebäude, verraten auch Bräuche etwas über die Geschichte eines Volkes. Bräuche zu begehen, macht Geschichte erlebbar.
Gerade jetzt, wo alles immer schneller gehen muss, bieten Bräuche eine Gelegenheit zum Innehalten und zur Besinnung. Bräuche in den Alltag zu integrieren bietet wertvollen Halt.

Was die Bräuche gefährdet

Der Feiertag wird nicht in allen Bundesländern gefeiert – Jahr für Jahr nutzen Bewohner der Regionen, die frei haben, den Tag für Einkaufsbummel in umliegenden Großstädten, deren Einkaufsstraßen geöffnet sind. Darüber wird mittlerweile mehr berichtet als über den Inhalt des Feiertags. Den Feiertag darauf zu reduzieren, dass nicht alle Regionen frei haben, wird ihm nicht gerecht.

Viele nehmen sich extra frei, um an den Festivitäten ihrer Gemeinde teilnehmen zu können. Einigen Gemeinden fällt es jedoch schwer, Traditionen aufrecht zu erhalten.
Ein Problem ist, dass immer weniger Freiwillige bereit sind, die Vorbereitungen für die Veranstaltungen zu treffen und dafür ihre Freizeit zu opfern. Gemeindemitglieder, die diese Aufgabe für Jahre übernommen haben, werden langsam zu alt und es mangelt an Nachfolgern.

Immer weniger Menschen können sich mit den Bräuchen und Traditionen ihrer Vorfahren identifizieren. Manchmal fehlt es an Geduld, um sich mit den Bräuchen zu befassen. Teilweise sind es auch praktische Gründe. Für Stadtbewohner ist es mit Umständen und Wegen verbunden, Kräuter zu sammeln.

Durch den wachsenden Trend zur Individualisierung nimmt das Interesse an Gemeinschaft und damit verbundenen Aktivitäten und Bräuchen ab. Das gefährdet die Bräuche, die gepflegt werden müssen, um zu überleben.

Wenn Bräuche nicht länger Teil einer Gemeinschaft sind und damit in Vergessenheit geraten, gehen sie verloren. Mit ihnen auch ein Stück Kultur, Herkunft und Identität Aus diesem Grund sollte man versuchen, Bräuche zu schützen. Nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Nachwelt und um Vorfahren in Ehren zu halten, denen diese Bräuche teils viel bedeutet haben. Der einfachste Weg , Bräuche am Leben zu halten ist es, ihnen einfach selbst zu folgen.

Marlen Hessler

Die Kirche muss Verteidigerin der Freizeit sein

Sommerzeit ist Urlaubszeit. Die Menschen in den Industrienationen erinnern sich daran, dass neben Arbeit und Leistung auch die Muße ein wichtiger Faktor in Ihrem Leben ist. Dem zollt auch der Papst Tribut: Er erholt sich im Vatikan. Denn auch ein Kirchenoberhaupt kann nicht durcharbeiten. Damit gibt der Papst ein Statement: wie wichtig Erholung für Menschen in Industrienationen ist. Für solche Strategien leistet die Kirche wichtige Beiträge.

Burn-Out auf der Insel der Seligen
Der Westen lebt auf einer Insel der Seeligen. Hunger gibt es keinen mehr und wenn, dann zum abnehmen. Nur wenige Menschen verrichten körperliche Arbeit, durch die sie buchstäblich mit 40 vom Dach fallen. Gesetze beschränken die Arbeitszeit. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich das Konzept der Freizeit entwickelt. Durch das Wirtschaftswunder kann die Mehrzahl der Menschen in Urlaub fahren.
Dennoch nehmen Burn-Out-Phasen zu. Das Stresslevel steigt an. Die existentielle Notlage der Menschen in den Industrienationen ist dem psychischen Notstand gewichen. Es gehört zu den originären Aufgaben der Kirche, die Menschen darin zu unterstützen.

Verteidigt den Sonntag
Das Wichtigste zuerst: die Verteidigung des Sonntags. Wirtschaft und Kommunen versuchen, den freien Sonntag aufzubrechen. Für Krankenhäuser, Hotels sowie Restaurants ist es sinnvoll, am ersten Tag der Woche zu öffnen. Es erschließt sich aber nicht, wieso die Mitarbeiter von Handygeschäften und Supermärkten sonntags hinter der Kasse sitzen sollten.

Denn die Vorteile eines freien Tages für fast alle liegen auf der Hand:
Die Sonntagsruhe ist nicht nur symbolisch zu verstehen. Sie drückt das Verhalten der Menschen aus. Die Umgebungslautstärke senkt sich. Es fahren weniger Autos und die Leute mähen den Rasen nicht. Die Hektik, die an anderen Tagen herrscht, wird vermieden.

Die Menschen fühlen sich nicht allein, wenn sie weniger machen oder sich Zeit für ihre Familien nehmen. Sie brauchen kein schlechtes Gewissen zu haben. Zudem können sie nicht viel tun, weil nur wenig geöffnet hat. Die Geschäfte sind geschlossen, in Behörden und Unternehmen ist niemand zu erreichen.
Der Mensch, daran gewöhnt, zu leisten, ist durch den Sonntag ausgebremst. Das ist eine gesellschaftliche Leistung. Das gilt es zu verteidigen. Dabei bildet sich eine Allianz zwischen Kirchen, Gewerkschaften und Politik.

Platz für Spiritualität
Mit dem Sonntag verbinden die Kirchgänger die Liturgie. Zwar spielt in der säkularisierten Moderne die Messe keine Rolle mehr für die Mehrzahl der Menschen. Aber Gottesdienst ist nur eine Form von Spiritualität. Sie kennt zahlreiche Ausdrucksformen: Meditation, Körperübungen oder Stundengebet. All das braucht Ort und Zeit, damit die Menschen es in ihren Alltag integrieren können. Regelmäßige Zeiten sind ein wichtiger Faktor für die spirituelle Praxis. Dem Wochenende und speziell dem Sonntag kommt dabei eine wichtige Funktion als Ruhezeit zu. Aber auch Werktags und im Urlaub kann man sich Rituale schaffen, um mehr zu tun als ‚nur‘ seine Arbeit zu erledigen.

Die Kirche stellt die meisten Angebote für Sinnsuchende zur Verfügung. Zugleich weist sie darauf hin: der Mensch braucht nicht nur materiellen Reichtum. In kirchlichen Zentren gibt es auch Angebote wie Klangschalenmeditation oder Yoga, um die verschiedenen Bedürfnisse zu bedienen.
Christliche Einrichtungen bieten Orte zur Ruhe und Besinnung. In Klöstern und Exerzitienhäusern nimmt die Gruppe derer zu, die nur aussteigen wollen. Kein Handy, kein Computer, keine dauernden Anfragen. Nur die Freiheit, sich zu bewegen, wohin man möchte und die Option, etwa am Stundengebet der Mönche teilnehmen zu können.

Kirche: Anbieter und politische Kraft
Mit ihren Angeboten liegt Kirche im Trend. Die Menschen sehnen sich nach Ruhe. Die findet sich an fernen Stränden, aber auch in zahlreichen Institutionen direkt um die Ecke. Aber nicht mal soweit muss man fahren. Papst Franzskus verbringt die Ferien mit reduziertem Programm im Vatikan. Das zeigt: Für ein ausgeglichenes Leben braucht es drei Dinge: eine längere Zeit der Ruhe, regelmäßige arbeitsfreie Tage und Impulse, auch im Alltag zu entspannen. Kirchen ist daher als Anbieter und als politische Kraft im Interesse der Menschen gefragt.

Maximilian Röll

Quo vadis, Russland?

Die russisch-orthodoxe und die katholische Kirchen sind in den vergangenen Jahren gemeinsam Wege der Ökumene gegangen. Der Papst plant nun Moskau zu besuchen. In den Medien ranken sich Gerüchte, Putin möchte sich mit Franziskus und nutze den Patriarchen, um die Beziehungen zu verbessern. Jedoch stehen die russischen Medien und die Bevölkerung dem Papst kritisch gegenüber und kritisiert den Westen. In welche Richtung bewegt sich die russische Papstpolitik und was will Patriarch Kyrill I. mit einem Treffen in Moskau bewirken?

Der Papst stehe als potenzieller Verbündeter der russischen Politik auf der Agenda. Putin möchte mit der Unterstützung des Papstes seine Machtstellung in Russland stärken. Franziskus sei in Russland, aufgrund seiner bescheidenen Haltung, hoch angesehen. Russen vermissen die Demutshaltung bei ihrem Patriarchen, welcher sich teure Uhren zu kaufen scheint und einen Mercedes fährt. Das berichten westlichen Medien.

Jedoch sieht die Realität anders aus. Papst Franziskus wird in Russland stark kritisiert und Patriarch Kyrill hat Angst, seinen Einfluss auf die Ukrainische Kirche, aufgrund der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Gemeinden zu verlieren. Es herrscht sogar Kritik, unierte Kirchen hätten sich auf dem Euromaidan beteiligt und den Umsturz in der Ukraine mitverursacht.

Ukraine und ihre katholische Kirche

Unvergessen ist der Streit um die Ukraine. In westlichen Medien größtenteils die politische Ebene geschildert. Im Westen scheint man keinen Zusammenhang zwischen Staat und Kirche zu sehen und dieses Bild projizierte man auch auf die Ukraine. Jedoch ist und war die Situation anders. Das Land war schon immer ein umkämpfter Ort der Kirchen. Es gibt drei große Kirchen in der Ukraine: Die Ukrainische Griechisch-Katholische Kirche, welche mit Rom uniert ist, die Ukrainisch Orthodoxe Kirche, die zum Moskauer Patriarchat gehört, und die Ukrainische Kirche des Kiewer Patriarchats, die weder von katholischer noch von Orthodoxer Kirche anerkannt ist.  Besonders der Einfluss aus Moskau passte der ukrainischen Kirche nicht. Die unierten Kirchen erstarkten nach und nach und die Sorge einer Expansionspolitik seitens Rom wuchs.

Als die Ukrainekrise auf dem Maidan ihren Anfang gefunden hat, meldeten sich viele Kleriker auf beiden Seiten zu Wort. Moskautreue Priester hetzten gegen den Putsch und den Westen mit ihrer römischen Kirche, unierte Kirchen hetzten gegen Moskau. Letzten Endes wurde ein Demonstrationszug Richtung Kiew organisiert, indem tausende Menschen in die Hauptstadt marschierten. Die, vor allem Moskautreuen, Demonstranten haben für den Frieden in der Ukraine protestiert, da sie das Leid ihres Heimatlandes satthatten.

Der Kampf der Politik ist ebenso der Kampf der Kirchen. In den Gemeinden wird bis heute noch Politik betrieben. Die stark nationalistisch geprägten Orthodoxen Kirchen sind oft ein Ort wo Politik gemacht wird. Nicht nur, dass am Nationalfeiertag Russlands, in den Kirchen weltweit die Nationalhymne stolz angestimmt wird. Das verurteilen viele Priester und Bischöfe. Jedoch gibt es diese Fälle immer wieder.

Der Papst spielt hier eine entscheidende Rolle. Er kann ein Vermittler zwischen der Ukraine und Russland sein, da er nicht in Europa aufgewachsen ist. Sein Verständnis ist ein anderes. Wäre es ein europäischer Papst, würde die Ökumene nicht weiter voranschreiten, da die Angst vor dem Westen weiterhin vorherrscht.

Der Westen als Häretiker

Nicht nur während der Ukrainekrise ist der Westen für die Ostkirche ein großer Feind. Kritik gegen den Westen und die katholische Kirche ist Alltag in Orthodoxen Kirchen. Meist sind es ehemalige Katholiken, welche zur Orthodoxie konvertiert sind, die gegen den Westen hetzen. Die Katholische Kirche habe ihre Wurzeln vergessen und folgt seit der Kirchenspaltung 1054 nicht mehr den Lehre Christi. Sie würde das Fasten vernachlässigen um den Konsumwahn des Kapitalismus gerecht zu werden. Die Sünde sei dem Westen auf die Stirn geschrieben, da sie ungerechte Kriege führe und die Ordnung der Welt durcheinanderbringt.

Was erstmal als Propaganda anzusehen wäre, gilt hier als Realität in Orthodoxen Kirchen. Oft wird darüber gesprochen, wie der Westen dem Satan in die Hände gefallen ist und die Politiker neben der Kirche auch alle Menschen manipulieren. Der schreckliche Mammon ist nicht nur Europa, sondern ganz besonders die USA. Hier sei die Idee des Satans, der Kapitalismus, ausgebrütet worden.

In Georgien wurde in großem Ausmaße gegen den Papst demonstriert, sodass sogar ein geplantes gemeinsames Gebet zwischen dem georgischen Patriarchen und Papst Franziskus abgesagt werden musste. Der Pontifex wurde als Herätiker und als „Beschützer der Schwulen“ tituliert. Er solle nicht nach Georgien reisen und seine katholische Expansionspolitik fortführen. Diese Szenen wären auch in Russland zu sehen, wenn der Papst zu Besuch wäre.

Gehts noch?

Was hiesige Medien berichten, besonders im Katholischen, geht auf keine Kuhhaut mehr. Der Papst würde der perfekte Mitspieler für Putins Politik sein. Nur wegen ausgeliehenen Reliquien des Heiligen Nikolaus? Was soll eigentlich bedeuten, der Papst habe die Russisch Orthodoxe Kirche, als einzige kanonische Kirche deklariert? Weiß man denn nicht, dass der Papst sich mit solchen Aussagen die Ökumene zum Ökumenischen Patriarch von Konstantinopel und allen anderen Kirchen gefährdet? Außerdem, warum sollte der Russische Patriarch eifersüchtig auf den Pontifex sein? Diese Fragen bleiben schlichtweg in den Medien unbeantwortet.

Klar ist, Papst Franziskus als Aushängeschild für Putins Politik zu nutzen, würde in der russischen Bevölkerung abgelehnt werden. Da helfen auch ausgeliehene Reliquien nichts, denn das Problem ist viel tiefer in den Köpfen der Menschen verankert. Der papstfreundliche Kurs des Patriarchen knüpft an das Treffen von Kuba an. Besonders an das deklarierte Ziel, Frieden im Nahen Osten zu schaffen. Ein weiterer Grund für das Treffen mit Putin ist, dass Staat und Kirche in Orthodoxen Ländern nicht vollkommen getrennt sind, sondern es immer ein Zusammenspiel zwischen beiden Größen gibt. Letzten Endes macht der Papst das, was er in Georgien getan hat: Er begibt sich in den Dialog mit den Ostkirchen und scheut dabei nicht vor Protesten gegen ihn zurück. Er wird aber sicherlich nicht Putins antidemokratische Haltung befürworten oder seinen westlichen Koalitionspartner spielen.

Alexander Radej