Trump: der erste Autokrat in einer liberalen Demokratie?

Seit den 2000er Jahren treten im Umfeld der liberalen Demokratie Autokraten in Erscheinung: Putin, der zu Beginn des Jahrtausends in Russland seine Herrschaft aufgebaut hat. Erdogan, der gerade dabei ist, ein neues System in der Türkei zu errichten. Während sie schon ein gewohnter Anblicke sind, tritt 2017 eine neue Größe auf den Plan: Mit Donald Trump ist erstmals ein Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt worden, von dem bezweifelt wird, ob er ein demokratisches Verständnis besitzt. Doch ist Trump wirklich mit Autokraten zu vergleichen?

Was unser System ausmacht

Die liberale Demokratie zeichnet sich durch vier Faktoren aus:

Es herrscht Gewaltenteilung und die verschiedenen Staatsorgane kooperieren miteinander in einem System der gegenseitigen Kontrolle. Die Meinungsfreiheit sichert eine unabhängige Presse und die Möglichkeit des Bürgers, die öffentliche Meinung mitzubestimmen. Der Wertekanon ist wesentlich von der Aufklärung geprägt. Und es finden regelmäßige Wahlen statt, die eine echte Optionen bieten.

Dagegen zeigt sich ein autoritäres Modell als Selbstherrschaft des starken Mannes. Bei der Wahl in vielen autoritären Systemen wird der Bevölkerung dabei der Anführer vorgesetzt, den es dann zu bestätigen hat. Der kann dann auf allen Ebenen durchregieren: Alle Entscheidungsprozesse gehen von ihm und es gibt keine Möglichkeit, etwas durch die Justiz, seine Beschlüsse zu revidieren. Er kontrolliert die meisten oder die dominanten Medien, entweder durch staatliche Aufsicht oder durch ein privates Netz von Günstlingen. Der Wertekanon dieses Autokraten und seines Systems sind in der Regel durch revolutionäre, sozialdarwinistische oder völkisch-konservative Elemente geprägt.

Ein Zar für Russland

Das lässt sich an den beiden Beispielen Putin und Erdogan gut zeigen:

Seit 2000 ist Putin die wichtigste Führungsfigur Russlands, entweder als Präsident oder als Premierminister. Als er die Führung durch den angeschlagenen Jelzin übernahm, herrschte in Russland Chaos. Die Wirtschaft lag am Boden und wurde, ebenso wie der Staat, von Oligarchen regiert, die sich in den 90ern riesige Vermögen angeeignet hatten. Der ehemalige KGB-Agent Putin schaffte in wenigen Jahren eine neue Ordnung:

Der ständige Streit der Jelzin-Ära zwischen dem Präsidenten, der Duma und der Justiz wurde beendet. Die Duma ist in Russland nur noch dazu da, die Entscheidungen Putins gut zu finden und in Gesetzesform zu gießen. Die Justiz hat die Aufgabe, die Interessen der Kreml-Clique um des Präsidenten durchzusetzen und den Anschein einer „Diktatur des Gesetzes“, so Putin in seinen ersten Jahren, aufrecht zu erhalten.

Das ist möglich, weil er die Opposition auf die Rolle von Blockparteien zurückgestuft hat, die zwar formal existieren, aber in das System teilweise integriert sind und keine Alternative mehr für die Wähler darstellen. Auch die Medien sind weitgehend auf der Linie Putins. Im Internet artikuliert sich noch politischer Widerstand, aber ohne das sich hieraus Konsequenzen in der öffentlichen Debatte ergeben.

Vom liberalen Westen grenzt sich das neue Russland auch ideologisch ab, indem es sich auf konservative Werte, die russische Geschichte des Zarenreiches und die orthodoxe Kirche stützt, wie das neue Gesetz über häusliche Gewalt zeigt, dass vor kurzem durch die Duma ging.

Kein demokratischer Frühling am Bosporus

Auch in der Türkei ist die Hoffnung auf einen demokratischen Frühling verflogen und in einen autokratischen Herbst übergegangen.

Mit der geplanten Verfassungsreform wird der größte Teil der Macht im Präsidentenpalast konzentriert. Parlament und Justiz werden, zumal durch die Verschränkung mit der AKP als neuer Staatspartei, zu Handlangern des Staatschefs. Die freie Presse wird seit Jahren drangsaliert und die meisten Journalisten, die nicht auf Regierungsmeinung liegen, sind verängstigt. So wurden die größten Fernsehanstalten und Zeitungen auf die Haltung Erdogan eingeschworen, die wenigen unabhängigen Medien werden systematisch geschlossen, ihre Journalisten weggesperrt.

Währenddessen werden die Oppositionsparteien marginalisiert. Während die Kemalisten seit Jahren keinen Fuss mehr auf den Boden bekommen und, durchaus auch aus eigenem Verschulden, kein Gegengewicht zur AKP mehr darstellen können, werden die Ultranationalisten immer mehr in das System Erdogan integriert. Die kurdische HDP wird dagegen stigmatisiert, ihre Abgeordneten und Wähler, überwiegend Kurden und liberale städtische Türken, terrorisiert.

Das Weltbild Erdogans ist von einem politischen Islam geprägt. Darin verbinden sich autoritäre und völkische Elemente mit einer islamischen Ideologie: So soll im AKP-System ein richtiger Türke Muslim sein und, um staatstreu zu gelten, dem starken Mann, also Erdogan, folgen.

Trump, der neue Boss der USA

Ähnliche Phänomene kann man Keimhaft auch bei Trump beobachten: Er ist nach seiner Geschichte und seinem Auftreten Unternehmer. Unternehmen haben in der Entscheidungsstruktur mehr mit Diktaturen gemeinsam als mit Demokratien. Als Chef folgt er dem Prinzip des hire und fire. Zumal Trump auch noch ein Unternehmer ist, der sich nicht mal an die simpelsten Grundregeln klassischen Managements hält. Allein seine Hassausbrüche und Rachegelüste würden ihn als CEO eines Konzerns, der nicht sein eigener ist, untragbar machen.

Als Präsident operiert er unter Umgehung aller Kontrollinstanzen und bei Bedarf in Widerspruch zu diesem. Etwa beim Einreisestop, den er ohne Absprache mit den zuständigen Ministerien erlassen hat und der gleich darauf von den Gerichten gekippt wurde, die er daraufhin beschimpft und infrage stellt.

Die Medien wiederum gelten Trump nichts, wenn sie ihm nicht nützen. Schon als Bauunternehmer verstand er es, Journalisten zu manipulieren, um sein Image des Midas aufzubauen, unter dessen Händen alles zu Gold wird. Spurten die Medien nicht, wurden sie mit Klagen und Beschimpfungen überzogen. Auch jetzt fühlt er sich von den Medien chronisch missverstanden. Dass sie ihn auf Fakten festlegen wollen, widerspricht der Vorstellung eines Mannes, der seinen Trump-Tower in den 80er Jahren mit 10 fiktiven Stockwerken versah, um den Wert der Appartements zu erhöhen.

Sein Denken ist geprägt von dem Grundsatz, dass sich der Mächtige nehmen kann, was er will. Laut diesem Prinzip ist America first logisch. Dann können die Mexikaner für die USA eine Mauer bauen, weil die Vereinigten Staaten der stärkere der beiden sind.

Von diesem Gedanken leitet sich auch die inoffizielle Losung der neuen Administration ab: Trump first. Denn als mächtigster Mann kann er es sich auch erlauben, sich mit anderen Regierungschef anzulegen, wie jüngst mit Australien, und auch seinen eigenen Kongress zu beschimpfen, weil der seine Minister nicht hinreichend schnell bestätigt.

Bricht also mit Trump ein neues autokratisches Zeitalter im, dann nicht mehr so, liberalen Westen an? Die Antwort lesen Sie im nächsten Kommentar.

Maximilian Röll

Der Streit um den Zölibat

Die Bischofskonferenz hat über die Ehelosigkeit der Priester diskutiert. Unterschiedliche Meldungen kursierten durch das Internet, ob der Zölibat abgeschafft oder die sogenannten „viri probati“ zur Weihe zugelassen werden könnten. Der Streit über den Zölibat ist nicht erst in der Neuzeit aufgekommen, sondern zieht sich durch die Kirchengeschichte seit 304 nach Christus.

Ehelosigkeit oder Enthaltsamkeit?

Diakone, Priester, Bischöfe und andere Kleriker besaßen vor der Weihe die Möglichkeit zur Eheschließung. Man stritt bei der ersten großen Diskussion über die Ehe der Geistlichen nicht über die Ehelosigkeit, sondern beriet sich, ob Priester enthaltsam leben sollten. Bei der Synode von Elvira im Jahre 306 wurde über die Enthaltsamkeit der Kleriker entschieden. Die Synode fordert von den Priestern, Bischöfen und anderen Geistlichen die sexuelle Enthaltsamkeit.
Der Schritt war notwendig, um die kultische Reinheit der Kleriker zu garantieren. Entscheidend war, dass sie die Liturgie rein und ohne kultische Verunreinigung feiern konnten, damit das Wirken Gottes sich im Besonderen entfaltete.

Erst im Hochmittelalter wurde die Diskussion um die Ehelosigkeit laut. 1022 ordneten Papst Benedikt VIII. und Kaiser Heinrich II. die Ehelosigkeit von Klerikern an. Im Jahre 1139 erklärte Papst Innozenz II., dass der Zölibat für alle Priester der Welt gelte. Die Ehelosigkeit hatte eine ähnliche Begründung wie zuvor: Kleriker sollten die kultische Reinheit wahren. Dies ging mit der angeordneten täglichen Zelebration von Liturgien einher. Ein Kleriker sollte immer bereit sein, eine Liturgie zu feiern.
Nicht zu vergessen ist die Vererbung des Besitzes der Kleriker. Es bestand die Sorge, dass verheiratete Priester den Kirchenbesitz an ihre Kinder weitervererben würden. Bereits verheirateten Priestern wurden die Ämter und der Besitz entzogen und Verstößen gegen den Zölibat wurden mit hohen Strafen belegt.
Die neue Verordnung des Papstes stieß auf wenig Gegenliebe. In Deutschland kam es zu Protesten während der Verlautbarungen. Besonders Kleriker niederen Standes wehrten sich gegen die neue Anordnung. Der Bischof von Passau beispielsweise entkam während der Verkündigung dem wütenden Klerus knapp.
Trotz aller Proteste war die Einführung des Zölibates erfolgreich und wurde zur Voraussetzung der Priesterweihe.

Möglichkeiten zu heiraten?

Im Laufe der Zeit traten kirchliche Ereignisse ein, die einen Kompromiss in der Thematik des Zölibates benötigten. Die Unierung mit den katholischen Ostkirchen wie der melkitischen oder ukrainischen Kirche, stellte den Zölibat infrage. In der byzantinischen Tradition des Christentums gehören verheiratete Priester zur Normalität.
Bis heute dürfen Priester vor der Weihe heiraten, jedoch nur in der katholischen Ostkirche und auch nur im Land der entsprechenden Kirche. Damit dürfen katholische unierten Christen in der Ukraine, wenn Sie zur katholischen Ostkirche gehören, heiraten.

Ebenso gibt es unterschiedliche Dispense. Der erste Dispens betrifft konvertierte Priester aus der anglikanischen oder protestantischen Kirche. Wenn sie vor der Konversion verheiratete Priester waren, ist die Ehe und Weihe rechtsgültig. Somit entstand ein kleiner Teil von verheirateten katholischen Priestern. Bei dem zweiten Dispens hat der Papst das Recht einem katholischen Priesteramtsanwärter die Ehe und Weihe zu erlauben. Das geschieht aber in den wenigsten Fällen.

Der Streit

Die heutigen Erklärungsmodelle für den Zölibat sind eher dürftig und aufgrund des fehlenden theologischen Rückhaltes aus dem Hochmittelalter entstanden. Ein Argument ist, dass Christus zölibatär lebte und es keine eindeutigen Erwähnungen in der Heiligen Schrift gibt, dass Jesus eine Frau gehabt hat. Das zweite Argument ergibt aus dem Matthäusevangelium 19,12. Hier spricht Jesus vom Zölibat als ein Geschenk Gottes, das genutzt werden könne, um zur Erfüllung zu gelangen, da sich einige Menschen aufgrund des Himmelreiches Willen in die Ehelosigkeit begeben haben.
Es gibt keine eindeutig überzeugende Erklärung für den Zölibat. Es hat seinen Nutzen in der Einhaltung der kultischen Reinheit und der Erreichbarkeit im Priesterdienst.

Die Verfechter des Zölibates sehen ebenso keinen Grund zur Aufhebung da es letztendlich die Anzahl der Priesterweihen nicht nachhaltig steigern würde. Das sei an der protestantischen Kirche zu sehen, die ebenso eine Stagnation der Ordinationen zu erleben hätte. Außer Acht gelassen wir hierbei, dass andere Probleme die protestantische Kirche belasten und der Grund für die geringen Ordinationen sein können.

Die Weihe von „viri probati“ von erprobten Diakonen, wäre ein Zwischenschritt. Zuerst ermögliche man einen Übergang von Diakonen zum Priestertum und erprobt diese Lebensform. Einerseits kann mit der Erprobung überprüft werden, wie viele ständige Diakone die Möglichkeit nutzen würden, das Priesteramt zu bekleiden. Andererseits kann untersucht werden, ob die Lebensumstände eines Priesters mit einem Familienvater und Ehemann vereinbar sind.
Letztendlich würde die Zulassung von „viri probati“ das Pflichtzölibat ablösen und eine frei wählbare Ehelosigkeit von Priestern ermöglichen. Da keine theologischen, sondern kirchenrechtliche Dimensionen entscheiden, ob Priester verheiratet sein dürfen, ist die Änderung des Zölibates eine administrative Entscheidung der Kirche.
Die orthodoxen Kirchen stören sich nicht an verheirateten Klerikern, sondern sehen die Ehelosigkeit eher als notwendigen Unterschied zwischen Mönchen und Priestern. In der katholischen Kirche sind verheiratete Priester schon zum geringen Teil akzeptiert. Das zeigen die unierten Kirchen.

Fasten ist ein Lifesytle

Die Fastenzeit hat begonnen. Eine Zeit, in der viele Deutsche, ob gläubig oder nicht, 40 Tage vor Ostern auf etwas verzichten wollen. Fasten ist Trend geworden. Immer mehr Magazine versprechen, den besten Fastenguide zu haben. Abnehm- und Ersatzprodukte boomen. Egal ob zuckerfrei, vegan, magische Kohlsuppe, Trinkkuren oder  glutenfrei, die Fastentrends dominieren die Medien. Doch worauf kommt es beim Fasten an?

Fasten religiös

Die Christen kennen zwei Fastenzeiten im Jahr, die Adventszeit und die 40 Tage vor Ostern. Zurückgehend auf Aschermittwoch und Karfreitag, gibt es innerhalb der Woche dazu zwei Tage an denen man Fasten sollte. Im Islam gibt es den Fastenmonat Ramadan,
in dem die Muslime fasten tagsüber und  nachts essen. Die Juden kennen den Fastentag Jom Kippur.

Fasten historisch

Doch auch ohne die Religion gab es das Fasten. Hippokrates schrieb dazu, „Sei mäßig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung […] und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.“. In der Neuzeit kommen Formen des Fastens als Trauerarbeit hinzu. Auch das politische Fasten als passiver Widerstand, wie zum Beispiel bei Mahatma Ghandi ist von Bedeutung.

Fasten heute

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage der Krankenkasse DAK gaben etwa 60 Prozent der Deutschen an, fasten zu wollen. Dabei handelt es nicht mehr um eine rein religiöse Angelegenheit, da viele von ihnen kaum in der Kirche etabliert sind. Der Großteil will auf Alkohol verzichten, im Ranking dicht gefolgt von Süßigkeiten, Fleisch und Rauchen. Oftmals bleibt es nur beim guten Vorsatz, jedoch haben immerhin 59 Prozent der Befragten schon einmal in ihrem Leben gefastet. Grund ist für viele die Gesundheit.

Auch die Diätartikelanbieter profitieren von der Fastenzeit. Das Geschäft floriert. Der Verzicht ist nun einmal einfacher, wenn ein Ersatzprodukt zur Stelle ist. Für viele hat sich vegetarisches oder veganes Essen schon in ihrem Leben etabliert, für Andere ist die Fastenzeit eine Chance eben dieses auszuprobieren.

Fasten im Fernsehen

Selbst das Fernsehen springt auf diesen Trend auf und schafft mit dem TV-Format von Sat.1 „Nacktes Überleben – Wie wenig ist genug?“ ein „Extremexperiment“. Dabei verzichten sechs Kandidaten auf ihren gesamten Besitz, der in Containern einen halben Kilometer von ihren Wohnungen entfernt gelagert wird. Jeden Tag dürfen sie sich einen Gegenstand zurückholen. Ob es sie glücklicher machen wird ist fraglich. Freiwilliger Verzicht auf alles Mögliche ist mittlerweile zu einer so allgemeinen und permanenten Praxis geworden. Man hätte es vermutlich längst schon mitbekommen, wenn durch Verzicht unsere Lebenswelt zu einem schöneren und geistreicheren Ort geworden wäre.

Fasten alternativ

Beim Fasten geht es nicht allein um den körperlichen Aspekt oder darum, Pfunde los zu werden. Es ist auch eine Form des Verzichtes, des Loslassens, des Stressabbaus und soll für Körper und Seele von Nutzen sein.

Viele Organisationen fordern daher dazu auf, einmal andere Formen des Fastens auszuprobieren. Der BUND empfiehlt Plastikfasten, die Grünen und die Landeskirchen fordern den Auto-Verzicht. Die evangelische Kirche ruft mit dem Programm „7 Wochen ohne“ auf, beispielsweise Ungeduld zu meiden. Schließlich, so die Regionalbischöfin für München und Oberbayern, Susanne Breit-Keßler, leben wir „in einer aufgeregten, hektischen Welt, in der sogar Präsidenten ihre Meinung blitzartig in die Welt entlassen“, und deswegen tue es gut, „wenn wir immer wieder innehalten, uns besinnen und überlegen, was wir sagen oder tun“.

Alternative statt Verzicht

Wer auf Fleisch verzichtet, legt sich eben ein Veggie Schnitzel in die Pfanne. Die Supermarktregale sind überfüllt von veganen und vegetarischen Produkten. Auf das Auto zu verzichten, ist da schon etwas anderes. Da muss man Umdenken, Organisieren und Handeln und ein E-Bike gibt es nicht mal eben auf die Hand. Auch der Entsagung des  Internets stellt sich schwieriger da, viele sind in ihrem Beruf auf das Netz angewiesen und auch das Fasten des Internets „im Privaten“ bedeutet eine Entfremdung oder den eigenen Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben.

Diese Formen des Fastens wären ein Verzicht. Eine Möglichkeit, sich mit Luxus und Überfluss vertraut zu machen. Wenn wir einen Weg im Regen einmal zu Fuß gehen, anstatt das Auto zu nehmen, gerät uns wieder in den Blick, wie gut unsere Lebenssituation doch ist.

Eine weitere Begleiterscheinung des alternativen Fastens ist: Man sieht es dem Fastenden nicht an. Jesus selbst predigte in der Bergpredigt: „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass Du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“.

Zurück zum Ursprung

Letztlich muss sich jeder selbst über den Sinn und Zweck des Fastens bewusst werden. Dabei muss man sich nicht nur mit dem körperlichen Aspekt auseinandersetzen, sondern auch bewusst etwas für seine Seele tun. Das kann Meditation sein, das Gespräch mit Gott im Gebet suchen, oder einfach bewusster zu leben. Fasten ist hilfreich für das eigene Körpergefühl und die Selbstwahrnehung, und nicht um im Gespräch mit Kollegen und Freunden zu bestehen. Fasten kann alles beinhalten: Den Verzicht auf Schminke, um mal wieder das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, nur Hundert Wörter am Tag zu sprechen, um die Worte bewusster zu wählen, oder sich seine Zeit gezielter einzuteilen. Das alles kann helfen, sich selbst und auch Gott näher zu kommen.

Julia Westendorff